IT im Gesundheitswesen als Erfolgsfaktor
In Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen spielt IT im Krankenhaus eine immer größere Rolle. Durch ihren Einsatz soll die Dokumentation erleichtert, die Effizienz der Arbeitsabläufe gesteigert und die Kommunikation verbessert werden. Kurz: die Produktivität soll erhöht werden. Doch wann wird IT im Gesundheitswesen zum Erfolgsfaktor? Wo liegen die Hindernisse, wo die ungenutzten Potenziale? Diesen Fragen geht das bvitg Branchenbarometer 2011 nach.
Das aktuelle Branchenbarometer des Bundesverbands Gesundheits-IT (bvitg) e.V. informiert über IT-Trends im Gesundheitswesen, die Entwicklung des Marktes sowie die Wahrnehmung und Wünsche der Anwender.
Das Ergebnis: Der Trend geht zur Professionalisierung
Key Findings:
Wahrnehmung des Wertbeitrags von IT positiv – Der überwiegende Teil der Befragten (zwei Drittel) attestiert den vorhandenen IT-Lösungen eine gute bis sehr gute Unterstützung bei der täglichen Arbeit. Bestärkt wird dies durch die Tatsache, dass Krankenhäuser ihren Anbietern respektive deren Systemen offensichtlich sehr treu sind: 77 Prozent nutzen ihr KIS bereits länger als drei Jahre.
IT ist strategisch verankert, Umsetzung der Strategie muss optimiert werden – Mit rund 70 Prozent hat der überwiegende Teil der befragten IT-Leiter und Geschäftsführer angegeben, dass ihre Häuser eine IT-Strategie haben. In der Umsetzung der IT-Strategie in Form konkreter Projekte zeigen sich jedoch Defizite. Zwar werden im Sinne eines professionellen Projektmanagements Ziele definiert, diese aber oft nicht erreicht.
Dialogbereitschaft im Markt sehr hoch – Die Anwender haben in zahlreichen Anmerkungen Stellung zur Situation mit IT im Krankenhaus bezogen. Sehr offen und selbstkritisch werden Fehler in der Organisation, Probleme in der Umsetzung von IT-Projekten und Hürden im Alltag beschrieben. Zudem geben über 50 Prozent der Befragten den Anbietern eine Botschaft mit. Haupttenor: wir brauchen offene Systeme.
Wachstum unterhalb der Preissteigerungsrate – Geschäftsführer und Manager der bvitg-Unternehmen schätzen das Wachstum im stationären Sektor systemübergreifend auf durchschnittlich 1,2 Prozent. Die Entwicklung im ambulanten Sektor wird auf dem gleichen Niveau eingeschätzt. Damit liegt das Wachstum des Gesamtmarktes unterhalb der Preissteigerungsrate.
Strukturelle Veränderungen am KIS-Markt – In 2010 hat sich der Trend zur Umverteilung innerhalb des Marktes verstärkt. Die Umsätze haben sich zunehmend vom klassischen KIS-Neugeschäft zum Nachverkauf oder zu neuen Nischen im Bereich Abteilungssysteme und Speziallösungen verschoben. Auch in 2011 wird, laut Einschätzung, die vertikale Integration in Unternehmen weiter zunehmen. Zeitgleich steigt der Bedarf an interoperablen Lösungen.
Schlüsselfaktoren zum effektiven Einsatz von IT:
Interne Kommunikation – Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, wie wichtig der Faktor Mensch bei der Umsetzung von IT-Projekten ist. Der Schlüssel für die Akzeptanz von IT-Lösungen als Unterstützung für die tägliche Arbeit liegt in der Information und Einbindung der Beteiligten. Die Anwender ins Boot zu holen und über das „Was“ und „Wie“ aber auch das „Warum“ zu informieren, schafft Transparenz und beugt Ängsten und Widerständen vor.
Ressource Mensch – Außerdem ist die Bereitstellung von Ressourcen im Sinne von Manpower ausschlaggebend für den Erfolg von IT-Projekten und somit auch für den Nutzen, den IT im Krankenhaus bringt. Das gilt sowohl für das Projektteam als auch für die betroffenen Berufsgruppen.
IT follows structure – Damit IT im Arbeitsalltag Nutzen stiften kann, müssen bestehende Prozesse überdacht und Arbeitsabläufe sowie Zuständigkeiten neu definiert werden. Werden bestehende Prozesse digitalisiert, kommt es zu Verzögerungen und Mehraufwand. Vorteile von IT können dann nicht ausgeschöpft werden. Im Sinne der Zielerreichung ist die Restrukturierung und Skizzierung der Arbeitsabläufe mit IT Voraussetzung dafür, dass die Lösungen Effizienzvorteil mit sich bringen.
IT-Trends im Gesundheitswesen:
Zusammenwachsen von Medizintechnik und IT = MIT – In den meisten Häusern herrscht eine Trennung von IT-Abteilung und Medizintechnik vor. Um die beschriebenen Anforderungen umzusetzen, müssen Kliniken Medizintechnik und IT zusammenführen. Diese organisatorische Restrukturierung ist im Rahmen der Umsetzung der IT-Strategie notwendig, da nur so die Sicherheitsaspekte der Integration von Medizinprodukten in ein IT-Netzwerk umfassend aufgearbeitet und umgesetzt werden können. Auch fordern aktuelle Normen wie DIN EN 80001 und Restriktionen zum Medizinproduktegesetz (MPG) das gemeinsame Agieren von IT und Medizintechnik.
Mobilisierung der Gesundheitsversorgung – Die Einführung einer digitalen Patientenakte ist nur dann sinnvoll, wenn die Datenerfassung direkt in das Informationssystem erfolgt. So werden nicht nur Arzt und Pflege entlastet, sondern auch den veränderten Anforderungen der Patienten nach Information Rechnung getragen. Mobile Erfassungsgeräte, eine durchgehende technologische Infrastruktur und Sicherheitskonzepte sind in diesem Kontext Voraussetzung. Für die Hersteller bedeutet dies, Anwendungen zu entwickeln, die der kontextsensitiven Aufbereitung von Informationen – auch an Smartphones – gerecht werden und Lösungen zum Speichern der wachsenden Datenmenge bereitzustellen.
Lukrativerer Markt im Ausland – Das systemische Finanzierungsproblem des deutschen Gesundheitswesens hemmt Innovationen und Qualitätssteigerungen. Aufgrund der angespannten Budgetsituation ist die Bereitschaft der Kliniken, in Innovationen zu investieren gering – gleichzeitig steigen die Erwartungen und Anforderungen. Die Aufwände der Anbieter für gerechtfertigte und notwendige Weiterentwicklungen und Optimierungen sind jedoch durch die Budgets der deutschen Kliniken nicht leistbar. Der Trend zur Internationalisierung setzt sich mit hoher Dynamik fort.
Anstieg an Regulation – Die mit dem MPG, den Anforderungen an Datenschutz und an interne Qualitätssicherung einhergehenden notwendigen System-Anpassungen sorgen für zusätzliche finanzielle Belastung der IT-Hersteller. Bis heute ist die tatsächliche Höhe der Kosten nicht absehbar. Fast sicher scheint jedoch, dass diese allein von den IT-Herstellern getragen werden müssen. Für die Erfüllung regulativer Anforderungen müssen die Unternehmen weiter Personal aufbauen. Dieser Kostenanstieg hat jedoch keine Umsatzrelevanz und steht nicht in Relation zum Wachstum der Branche. Somit ist auch der steigende Grad an Regulation ein Hemmnis für die Innovationskraft der deutschen Gesundheits-IT.
Forderung nach mehr „Coopetition“ und Interoperabilität – Während die Verdichtung auf Anbieterseite im Vergleich zum Vorjahr rückläufig war, hat sich die Konsolidierung im Markt der Krankenhäuser fortgesetzt. Dabei verfolgten vor allem große Klinik-Verbünde immer weniger die kostenträchtige und nur mit hohen Reibungsverlusten umsetzbare „1-Produkt-Strategie“. Vielmehr erwarteten sie zunehmend von den Anbietern, dass sie ihre Produkte gegenseitig öffnen und standardisierte Schnittstellen zum Datentransfer zwischen Standorten zulassen. Deshalb wird die Interoperabilität von KIS-Systemen gefordert.
Die vollständige Publikation finden Sie auf der Website des Verbands zum kostenlosen Download: http://www.bvitg.de/branchenbarometer.html
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